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Tourbeschreibung
Wir beginnen unseren Spaziergang an der Siemensstraße Ecke Leonorenstraße. Auf der linken Seite steht der weiträumige Komplex des aus einem Sanatorium hervorgegangenen Auguste-Viktoria-Krankenhauses. Die einst „Berolinum“ genannte, später als Lazarett dienende Anstalt enstand in den Jahren 1889 und 1900 auf Initiative des Sanitärarztes Dr. James Fränkel. Heute wird dies Gebäude als Altenpflegeheim genutzt. Nebenan steht die Landeslehranstalt für Medizinisch-Technische-Assistenten, ein Backsteinbau aus den Jahren 1963 bis 1967. Gegenüber, Leonorenstraße 18-22, lag „Pichlers Viktoriagarten“ ein 1884 von Herrmann Pichler gegründetes Etablissement, in dem es neben Milch und Flaschenbier auch preiswerte Speisen gab. Eltern, die ihre Söhne im Larazett besuchten, bot es eine Übernachtungsmöglichkeit. Später war es ein renomierter Hotelbetrieb, der auch über die Grenze von Lankwitz bekannt war und 110 Jahre bestand. Seit 1995 steht hier ein Neubau mit italienischem Restaurant. Auf der linken Straßenseite finden wir das Stadtbad Lankwitz (www.berlinerbaederbetriebe.de) und die Sportanlage Leonorenstraße (www.eisbahn-lankwitz.de). An der Bernkastler Straße finden wir die „Käseglocke“, ein Jugendfreizeitheim des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf. Dieser Bau und der damit verbundene Bernkastler Platz, im Volksmund: Rosengarten, wurde 1913/1914 von dem Architekten und ersten Baustadtrat von Steglitz, Fritz Freymüller entworfen. Fritz Freymüller hat auch z.B. das Kriegerdenkmal im Gemeindepark in Lankwitz und das Lilienthal Denkmal in Lichterfelde entworfen. Die Käseglocke entstand ursprünglich als Parkwohnhaus. Die Parkanlage aus weiten Grünflächen und Rosenbeeten wird umzäunt von großen Pappeln. Die Wege sind so angelegt, dass man früher von der Leonorenstraße durch die Käseglocke hindurch fahren konnte: einen langen mit Pappeln und Rosen eingezäunten Weg entlang, auf einen Springbrunnen zu. In der Nacht vom 23./24. August 1943 wurde Lankwitz bombardiert, wobei in der näheren Umgebung der Käseglocke so gut wie alle Wohnhäuser und das gegenüberliegende Rathaus zerstört wurden und auch der Park sehr beschädigt wurde. Während des Krieges wurde rund 85 % von Lankwitz zerstört. Die Käseglocke selbst hatte „Glück“, nur der obere Dachstuhl brannte aus und seit dieser Nacht ist die Käseglocke oben platt.
Wir gehen zurück auf die Leonorenstraße und finden gegenüberliegend das Rathaus Lankwitz, das heute Teile des Finanzamtes Steglitz beherbergt. Der zum Teil mit Sandstein verkleidete Rauhputzbau im Stil der Deutschen Renaissance aus dem Jahr 1910/1911 stammt von den Brüdern Ratz. Ab 1911 wurde im Turm ein Glockenspiel angebracht. Die Glocken verkündeten um sieben Uhr in der Früh das Militärsignal „Wecken“ und abends um zwanzig Uhr den „Zapfenstreich“. Auffällig ist das Zifferblatt der Rathausuhr, es zeigt das Bezirkswappen, den Löwen mit drei Kornähren; an der Südseite ist eine Sonnenuhr. Früher befand sich an der Stelle des Rathauses ein Armenhaus für Lichterfelde, dass man das „Schmale Handtuch“ nannte. Allerdings wohnten dort nicht arme Lichterfelder, sondern sieben Lankwitzer Familien. Dem Bau vorgelagert ist der „Brunnen der vier Winde“, der nach seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg 1978 restauriert wurde.
Wir gehen nun Richtung S-Bahnhof, durchqueren diesen und erreichen die Kaulbachstraße. Der Bahnhof Lankwitz entstand 1900 als Vorortbahnhof. Wir gehen die Kaulbachstraße links weiter. Hier ist Lankwitz vornehm – wir sind in der Villenkolonie, die der Bauunternehmer Felix Rosenthal anlegen ließ. Ende des 19. Jahrhunderts wurde zunächst das nordwestlich des Bahnhofs Lankwitz gelegene, sogenannte „Rosenthalsche Viertel“ mit Villen bebaut; heute wird es wegen der dort vorherrschenden Straßennamen als „Komponistenviertel“ bezeichnet. Heute finden sich hier Häuser und Villen der unterschiedlichsten Baustile. Besonders zu beachten sind hier die Baudenkmäler in der Hausnummer 33/35 und 16. An der Beetho-venstraße verlassen wir die Kaulbachstraße, biegen rechts ab und wandern bis zur Calandrellistraße, wo wir uns links halten und bald die prachtvolle Siemens-Villa erreichen. Erbaut wurde sie 1914 bis 1919 nach Plänen des Architekten Fritz Freymüller. Werner F. von Siemens, der den Komplex 1924 kaufte, ließ ein Musiksaalgebäude und einen Teepavillon auf dem weitläufigen Gelände erbauen, den beeindruckenden Villenpark schuf Carl Riemann. Heute nutzt die Musikabteilung der Deutschen Bibliothek (www.miz.org) den Großteil des Domizils, das Konzertgebäude dient den Berliner Symphonikern als Probe- und Aufnahmestätte.
Wir biegen links in die Gärtnerstraße ein, die einen ungewöhnlichen Schnitt hat: Koloniegründer Rosenthal hatte die schon vorhandene Lindenallee symmetrisch gespiegelt und es enstand eine Art Doppelallee. Vorbei an schönen Villen und viel Grün wandern wir bis zur Franzstraße, biegen dort links ab und wenig später rechts in die Beethovenstraße, wo wir unter der S-Bahn hindurchgehen. Jetzt geht es links in die Charlottenstraße. In dem spitzen Winkel zwischen Charlottenstraße und Elisabethstraße, nahe der Amalienstraße, steht die alte „Ratswaage“. Nach der Eröffnung des Güternahnhofes Lichterfelde-Ost wurde die „Fuhrwerks-Waage“ notwendig, weil die Händler ihre Pferdewagen und später die LKW wiegen mußten. Die öffentliche Gemeindewaage wurde vorwiegend von Frauen geführt, die auch in dem Häuschen wohnten. Heute ist die Ratswaage Lankwitz ein Frauentreffpunkt, eine Einrichtung des Bezirksamtes, die ganz unterschiedliche Angebote für Frauen bietet. Der Standort der Ratswaage markiert noch eine historische Stelle: die Quelle der Lanke. Zur 750-Jahrfeier von Lankwitz wurde hier ein ein Findling mit der Aufschrift „Lanke-Quelle“ gesetzt. Von dort floß sie nach Norden über die heutige Bruchwitzstraße zur Mühlenstraße, wo sie sich zu einem Teich erweiterte, der im Volksmund „Karpfenteich“ genannt wurde. Nun gehen wir über die Elisabethstraße und Annastraße zur Kaiser-Wilhelm-Straße. Diese überqueren wir und gehen links, um dann rechts in die Zietenstraße zu gehen. In der Hausnummer 10 stand früher ein Gebäude, dass das älteste deutsche Filmatelier, 1904 gegeründet als Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH, beherbergte. Weiter geht es nun links in die Derfflingerstraße, dann rechts in die Seydlitzstraße und links in die Havensteinstraße.
Wer mag, macht einen Abstecher zum Dillgesweg (links), wo sich das prächtige weiße Gebäude der Beethoven-Oberschule erhebt. 1918 wurde sie als höhere Mädchenschule bezogen. Mächtige Säulen am Eingang geben dem Bauwerk ein hochherrschaftliches Aussehen.
Zurück zu unserer Route. Weiter geht es über die Havensteinstraße. Wir überqueren die Gallwitzallee und gehen in die Mühlenstraße. Auf der rechten Seiten gehen wir nun in den 1910 angelegten Gemeindepark, der früher Beyendorffpark hieß. Hier gibt eine Minigolfanlage, einen Teich und einen 13 Meter hohen Berg. In schattigen Gehegen dösen im Sommer Ziegen und Rotwild. Ferner finden wir auch das Kriegsehrenmal. Es wurde 1926 errichtet zur Erinnerung an die 400 Lankwitzer die im 1. Weltkrieg gefallen sind. Rund um das Ehrenmal ist eine Mauer mit Bogenfenstern. In der Mitte steht eine alte Kastanie und eine runde Steinbank mit 3 Säulen. Auf einer der Säulen ist eine Frau mit Pflugschar dargestellt. Das einmalige des Lankwitzer Denkmals ist, dass es an die Frauen erinnert, die im Kriege an die Arbeitsstelle der Männer traten.
Wir wandern zurück und biegen rechts in die Mühlenstraße, wo wir einige Baudenkmäler in den Nummern: 20-22 sowie 3 und 5, aus den Jahren 1885 bis 1894 finden. Wir erreichen das einstige Dörfchen Lankwitz mit der idyllischen Dorfaue und der Dorfkirche Lankwitz (www.kirchenkreis-steglitz.de/gemeinden/dorfkirche.htm). Deren Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert brannte 1945 aus und wurde 1955 originalgetreu wieder aufgebaut. Innen findet sich ein Altarbild von 1555.
Wir umrunden die Dorfaue mit der Kaisereiche, die vom Kriegs- und Gesangsverein für den Heldenkaiser Wilhelm I. aus einer Eichel gepflanzt wurde. Das Eisengitter, das die Eiche umschließt und von dem Kameraden, Schlossermeister Karl Hartmann, gestiftet wurde. Wir wandern dann über Langkofer Weg und schräg links über Schulstraße zur belebten Paul-Schneider-Straße. Gegenüber erhebt sich die 1906 geweihte Dreifaltigkeitskirche (http://www.lankwitz-kirche.de) Die Dreifaltigkeitskirche ist unter der Bezeichnung Lankwitz Kirche wesentlich bekannter. Die Kirche feierte 2006 ihren hundertsten Geburtstag. Am 11. Juni 1906 fand die Einweihung in Anwesenheit des Prinzen August-Wilhelm von Preußen statt. Die Kirche bot 900 Sitzplätze. Der 55 m hohe Turm erwies sich als Hindernis für den Flugverkehr. 1919 rammte ein Postflugzeug den Turm und musste eine Notlandung machen, wobei es stark beschädigt wurde. 1932 wurde neben der Kirche ein großes Gemeindehaus errichtet. 1943 wurde die Dreifaltigkeitskirche und das Gemeindehaus bei einem Bombenangriff stark beschädigt und war erst 1951 als Kirche wieder nutzbar. Die Kirche steht auf einer leichten Anhöhe. Der massige Bau mit dem hohen und markanten Turm in Form einer achteckigen Pyramide, den vier kleinere Rundtürme zusätzlich zieren, dominiert das neuere Lankwitzer Zentrum. Äußerlich finden sich Anleihen bei historischen Bauten. Der Stil wird auch als märkischer Stil des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Heimisches Material wurde als Baumaterial bevorzugt eingesetzt. Rüdersdorfer Kalkstein wird im Fundament verwendet, weiter oben märkische Backsteine im Klosterformat.
Wer möchte, kann den Spaziergang in der Schokoladerie Blunck (www.schokoladerie-blunck.de) enden lassen. Hier kann man viele Köstlichkeiten Rund um die Schokolade bewundern und geniessen. Köstliche Pralinen, Trüffel, Hochzeitstorten, Geburtstagstorten, Festagstorten, Schaustücke und vieles mehr. Wir erreichen die Schokoladerie mit dem Bus 283 – S-Bahn Marienfelde/Daimlerstraße – an der Haltestelle Wichurastraße. |
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Nützliche Hinweise
Der Spaziergang dauert 2,5 Stunden und ist, bis auf das Ehrengrab im Gemeindepark, für Rollstuhlfahrer geeignet.
Start: Haltestelle Leonorenstraße / Siemensstraße
Bus: 181, 187, 283, 284, M82
Interessierte können am Tag der offenen Tür Blicke ins Musikarchiv werfen.
Von 12 Uhr bis 18 Uhr gibt es Führungen durchs Haus und Vorträge zur Geschichte der Schallplatte und der CD.
Dorfkirche Lankwitz Öffnungszeiten: Mo, Di, Fr 10-12 Uhr, Di, Mi, So 15-17 Uhr.
Schokoladerie Blunck Wichurastraße 74 12249 Berlin Tel: 34628405 Fax: 030-70781221
email: info(at)schokoladerie-blunck.de Montag: geschlossen Di-Fr 12-18 Uhr Sa u. So 14-18 Uhr |
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 Altenheim Leonorenstraße Bild: Sabine Klaedtke


 Parkwohnhaus Bild: Sabine Klaedtke


 Bernkastler Platz / Rosengarten Bild: Sabine Klaedtke


 Rathaus Lankwitz Bild: Heimatverein Steglitz


 Rathaus Lankwitz heute Bild: Sabine Klaedtke


 Kaulbachstraße 16 Bild: Sabine Klaedtke


 Siemens Villa Bild: Sabine Klaedtke


 Siemens Villa Hinteransicht Bild: Sabine Klaedtke


 Ratswaage Lankwitz Bild: Sabine Klaedtke


 Gemeindepark Bild: Sabine Klaedtke


 Gemeindepark Dammwild Bild: Sabine Klaedtke


 Mühlenstraße 5 Bild: Sabine Klaedtke


 Mühlenstraße 3 Bild: Sabine Klaedtke


 Dorfkirche Lankwitz Bild: Sabine Klaedtke


 Kaisereiche am Dorfanger Bild: Sabine Klaedtke


 Lankwitz Kirche Bild: Sabine Klaedtke |
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