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Dieser Ausflug führt vom S-Bahnhof Wannsee entlang der alten Friedhofsbahn bis zum Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Unser Weg hat eine Länge von 6 km und dauert ca. drei Stunden. Er führt durch den Düppeler Forst, wobei wir die Berliner Stadtgrenze überschreiten und das Bundesland Brandenburg betreten.
  Tourbeschreibung

Wir starten unsere Tour am S-Bahnhof Wannsee und begeben uns vom Hauptausgang nach links auf den Kronprinzessinnenweg. Dann gelangen wir zur Königstrasse und unterqueren links die Eisenbahnbrücke. Vor der Brücke sehen wir den Eingang zur Bismarckstrasse mit einer Tafel, die auf das Grab von Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee hinweist. Hinter der Brücke biegen wir nach rechts in den Stahnsdorfer Damm ein. Diese Strasse gehen wir geradeaus bis zu einem Bahnunterwerk aus rotem Backstein. Neben diesem Gebäude auf dem Bahngelände befindet sich eine moosbedeckte Holztreppe, auf der wir den Stahnsdorfer Damm verlassen und unsere geradlinige Route fortsetzen.

Nach einigen Metern gabelt sich unser Weg (1), und wir muessen rechts abbiegen, um an der Regional- und Fernbahnstrecke zu bleiben. Wenn wir ueber die Gleise blicken, so können wir bereits die alte, stark bewaldete Trasse der Friedhofsbahn erkennen. Unser Weg steigt an und fällt nach wenigen Metern wieder. Vor uns ist bereits das Ende des alten Damms der Friedhofsbahn zu erkennen. Dahinter sehen wir auf der rechten Seite das S-Bahnbetriebswerk. Wenden wir unseren Blick nach links in den Düppeler Forst, so zeigt sich hinter den Laubbäumen eine zirka zehn Meter hohe Erhebung, die als die Fortsetzung der bewachsenen Trasse gilt. Wegen des noch vorhandenen Schotters bietet es sich nicht an, auf dieser zu wandern. Aus diesem Grunde schlagen wir den Weg links neben diesem Bahndamm ein, um den Düppeler Forst südwaerts durchwandern zu können (2). Zu Beginn erweist sich dieser als sandig und ist mit Laub und Ästen bedeckt. Sowohl die Trasse als auch unsere Route werden auf Berliner Seite vom Kurfürstenweg und von einem Forstweg durchschnitten. Hinter diesen beiden Querstrassen, die sich in einem Abstand von 200 m befinden, gräbt sich die alte Bahnstrecke, von der man keine Schienen mehr sieht, allmählich in ein Tal. Dabei steigt unser Weg an und wird fester. Wir schauen in das Tal und entdecken neben dem Schotter gefällte und umgestürzte Bäume und vereinzelt Reste von Signalmasten.

Die Friedhofsbahn (www.bsisb.de) war eine 4,2 km lange Strecke, die 1913 eingleisig gebaut wurde und deren Endhaltepunkt der Südwestkirchhof in Stahnsdorf war. Auf ihr wurden sowohl Personen als auch Leichname transportiert. Im Jahre 1928 wurde der elektrische S-Bahnverkehr eröffnet. Mit dem Bau der Mauer im Jahre 1961 wurde der Bahnverkehr eingestellt und die Strecke verwilderte.

Nun gehen wir auf den Königsweg zu, der Bestandteil des neu geschaffenen Berliner Mauerweges ist, somit die Grenze zum brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark bildet und ueber die alte Friedhofsbahn verläuft. Unter der Wegebrücke sind noch S-Bahnschienen vorhanden. Dahinter erstreckt sich der ehemalige, teils bepflanzte, teils noch sandige Todesstreifen, unter dem die Friedhofsbahn vergraben ist. Hier am nördlichen Rand des Streifens sieht man links und rechts von der Trasse den bewaldeten Damm der ehemaligen Eisenbahnstrecke von Berlin nach Potsdam aus dem Jahre 1838, der ersten preussischen Bahn. An der Grenze zum Land Brandenburg entdecken wir einen Wegweiser, der in Richtung des Grenzortes Dreilinden, einem Teil der Gemeinde Kleinmachnow, zeigt.

Nun setzt sich unser Weg schmal fort, und rechts neben uns kommt wieder die stillgelegte Bahnstrecke zum Vorschein. Bald danach erblicken wir eine Brücke, über die der Teerofendamm geht. An dieser Strasse ist in Dreilinden eine Bushaltestelle, wo man in den Bus nach Wannsee oder Teltow einsteigen kann, wenn man die Tour unterbricht. Wenn wir hinter der Brücke ins Tal schauen, so erkennen wir den bewachsenen Bahnsteig und den Auf- und Abgang des S-Bahnhofs Dreilinden. Die Treppe befindet sich uns gegenueber und ist von der Strasse nicht mehr zugänglich. Von unserem Wanderweg aus erkennen wir deutlich die Laenge des Bahnsteigs. Nach dem Bahnhof erreichen wir den Stolper Weg, der ebenfalls die alte Bahnstrecke überquert.

Es steht uns frei, in diesen rechts abzubiegen oder unsere Route bis zum Teltowkanal weiterzugehen. Wandern wir geradeaus, betreten wir einen Asphaltweg, der auf einem Teil der Trasse liegt. Dieser endet an der gesperrten S-Bahnbrücke, einer Stahlkonstruktion, die sich ueber den Teltowkanal in Richtung Stahnsdorf erstreckt (3).

Jetzt kehren wir zum Stolper Weg zurück, den wir nach links einbiegen. Diesen gehen wir bis zum Ortsende, wo er sich als Waldweg fortsetzt. Nach diesem Fussweg von einem Kilometer erreichen wir eine Brachfläche (4). Schauen wir weit nach Norden, entdecken wir eine Brücke der bereits erwähnten ersten preussischen Eisenbahnstrecke. Auf dem Areal sehen wir einen Wegweiser, der in Richtung Teltowkanal zeigt und folgen ihm. Wir gehen auf einem abgetragenen Teilstueck der Autobahn 115, die zum alten Grenz-kontrollpunkt Dreilinden führte. Diese Fahrbahn gehörte zur 1921 vollendeten „Berliner Rennstrecke AVUS’’ und wurde erst im Jahre 1940 gebaut. Von Zehlendorf aus setzte sich diese Strecke bis zum Nuthetal fort.

Beim Betreten der Autobahnbrücke über den Teltowkanal sind wir wieder auf Berliner Gebiet. Dort erkennt man hinter den aus dem Asphalt gewachsenen Kiefern noch gut die Fahrspuren für Autos, Lastkraftwagen und Busse zur Regulierung des damaligen Grenzverkehrs. An der Brücke befand sich bis 1969 der Grenzübergang Drewitz-Dreilinden. Wir stehen also auf einem Stueck der ehemaligen Transitstrecke zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Am linken Ende der Brücke gehen wir über einen Metallsteg, der über einen Graben zum alten Grenzkontrollpunkt führt, dem so genannten Dreilinden-Platz, der von 1971 bis 2003 vom „Campingclub Berlin’’ genutzt wurde. Auf diesem Gelände ist noch die mittlerweile geschlossene Grenzraststätte vorhanden. Nach der Aufgabe des Grenzüberganges war sie bis 2004 offen.

Inzwischen bewegen wir uns schon wieder in einem Ort namens Albrechts Teerofen (www.berliner-mauer.de). Die Ortsbezeichnung leitet sich von der ersten 1680 errichteten Teerbrennerei her. Dahinter kommen wir auf einem Wiesenweg wieder auf brandenburgisches Territorium. Wir treffen auf zwei Querwege, wovon wir in den letzten links einbiegen. Nun durchqueren wir auf dem ehemaligen Todesstreifen einen nach der Wende angepflanzten Kiefernwald. Der Endpunkt des Weges ist wieder der Teltowkanal. Auf dem sandigen Uferweg gehen wir bis zur alten Eisenbahnbrücke. Dahinter kommt die Autobahnbrücke, die wir ebenfalls unterqueren. Anschliessend betreten wir in rechter Richtung einen Pfad, der entlang der Autobahn zu einem Wald hochfuehrt.

Nun schlagen wir südwaerts einen asphaltierten Weg ein und kommen somit in Stahnsdorf an. Auf der rechten Seite entdecken wir wieder den Verlauf der alten Friedhofsbahn, auf der linken ein altes NVA-Übungsgelaende, das man jedoch wegen noch vorhandener Munition nicht betreten sollte.

Endlich erreichen wir die Alte Potsdamer Landstrasse, die Teil des 2001 geschaffenen BUGA-Wanderweges ist. In diese biegen wir rechts ein und kurz danach halten wir uns links. Damit sind wir auf der Bahnhofstrasse und sehen den Eingang des Wilmersdorfer Waldfriedhofs. Diese Strasse gehen wir nach Süden, bis wir auf der rechten Seite den Südwestkirchhof Stahnsdorf (www.suedwestkirchhof.de) erblicken.

Dieser 206 ha. grosse Waldfriedhof zählt zu den grössten und schönsten Begräbnisplätzen Deutschlands. Die Berliner Stadtsynode legte ihn auf der Gemarkung Stahnsdorf von 1906 bis 1909 an. Verschiedene Berliner Kirchengemeinden konnten dort ihre Verstorbenen beerdigen. Prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Politik fanden auf dem Kirchhof ihre letzte Ruhe. Zu nennen wären der Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der Musiker Engelbert Humperdinck, der Berliner Milieuzeichner Heinrich Zille, der Wörterbuchverleger Gustav Langenscheidt, der Maler Lovis Corinth und Elisabeth von Ardenne, die Theodor Fontane in seinem Roman „Effi Briest“ als Figur verwandte. Seit Neuestem hat der Besucher auch die Möglichkeit, etwas über die Prominentengraeber per Hörführung zu erfahren. Ferner können wir einen nach dem Ersten Weltkrieg angelegten britischen und italienischen Militärfriedhof besichtigen. Besonders sehenswert ist die Friedhofskapelle, die den Stil einer norwegischen Holzstabkirche aufweist und in der jährlich Konzerte stattfinden.

Wenn wir den Friedhof verlassen, stehen wir am Rudolf-Breitscheid-Platz, auf dessen gegenüber liegender Seite sich der S-Bahnhof Stahnsdorf befand. Es sind noch Reste des Bahnsteiges vorhanden. Das Bahnhofsgebäude wurde im Jahre 1976 abgerissen.

Nun gehen wir die Bahnhofstraße südwaerts bis zur Potsdamer Allee und steigen dort in die Busse X1 oder 601 in Richtung S-Bahnhof Teltow.
 
Nützliche Hinweise   Reste der Bahnueberfuehrung

Reste der Bahnüberführung
Bild: Jens Leder
Auf unserer Wanderung bewegen wir uns zum Teil auf sandigen Wegen und treffen manchmal keine Wegweiser an.
Es empfiehlt sich, feste Wanderschuhe zu tragen.
Folglich ist diese Route für Radfahrer, Skater und Gehbehinderte ungeeignet.
  Wegegabelung (1)

Wegegabelung (1)
Bild: Jens Leder
    Alter Bahndamm der Friedhofsbahn

Alter Bahndamm der Friedhofsbahn
Bild: Jens Leder
    Schotterbett

Schotterbett
Bild: Jens Leder
    Bahntal

Bahntal
Bild: Jens Leder
    Brücke Königsweg mit Schienenreste

Brücke Königsweg
mit Schienenresten
Bild: Jens Leder
    Dammüberreste der alten Stadtbahn

Dammüberreste
der alten Stadtbahn
Bild: Jens Leder
Auf der alten Brücke in Dreilinden kann man eine Pause einlegen.
Da es jedoch keine Möglichkeit gibt, gemütlich einzukehren, ist die Mitnahme von Proviant empfehlenswert.
  Alter Bahnhof Dreilinden

Alter Bhf. Dreilinden
Bild: SW Kirchhof Stahnsdorf
    Gesperrte Brücke über den Teltowkanal

Gesperrte Brücke
über den Teltowkanal
Bild: Jens Leder
Es ist zu erwähnen, dass der Bus 628 in Dreilinden in der Woche nur zweimal in der Stunde und samstags alle zwei Stunden kommt.
Am Sonntag ist kein Busverkehr.
  Alte Autobahnbrücke

Alte Autobahnbrücke
Bild: Jens Leder
    Friedhofskapelle Südwestkirchhof

Friedhofskapelle Südwestkirchhof
Bild: Jens Leder
    Grabstein von Lovis Corinth

Grabstein von Lovis Corinth
Bild: Jens Leder
In der alten Bahnhofsgaststätte ist jetzt der Kossatenhof (www.kossatenhof.de),
in den wir einkehren können.
  Bahnhof Stahnsdorf (ca.1913)

Bahnhof Stahnsdorf (ca.1913)
Bild: SWK Kirchhof Stahnsdorf
    Restaurant (Kossatenhof)

Restaurant (Kossatenhof)
Bild: Jens Leder
Der Bus X1 fährt zweimal pro Stunde von Mo bis Fr,
die Linie 601 samstags alle 30 Min. u. sonntags alle 60 Min.
   
 
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