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Wanderung in Lichterfelde-Süd
mit Möglichkeit der Spurensuche südlich der Berliner Stadtgrenze
Tour 04 Karte

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Dieser Ausflug führt durch Lichterfelde-Süd von der Thermometersiedlung über den Lilienthalpark bis zum Jenbacher Weg an der Berliner Stadtgrenze, wobei wir uns auf den Spuren des Flugpioniers Otto Lilienthal bewegen. Vom Jenbacher Weg aus kann man auf einem Weg zwischen Kleingartenkolonien und einem Rodelberg zum Lichterfelder Ring gelangen und auf dieser Straße wieder in Richtung der Hochhaussiedlung gehen. Wer sich für das brandenburgische Umland interessiert, der kann die Berliner Stadtgrenze überschreiten und sich das Osdorfer Wäldchen (www.natur-land-forum.de) mit seinen historischen Überresten und eine noch existierende Gutsscheune mit Viehwirtschaft anschauen.
  Tourbeschreibung

Nachdem wir den Bahnhof in Richtung Réaumurstraße verlassen haben, stehen wir an einem runden Platz mit einem blauen Schild, das auf die 1,5 km entfernte Otto-Lilienthal-Gedenkstätte (www.fliegefest.steglitz.de) hinweist. Wir können mit dem Bus 284 sofort zum Lilienthalpark fahren oder von der Réaumurstraße aus die Thermometersiedlung besichtigen, die sich zwischen der Osdorfer Straße und dem S-Bahndamm der Linie S 25 befindet.

Diese Hochhaussiedlung hat ihren Namen nach Physikern, die sich mit der Temperaturmessung beschäftigt haben, und gilt als typisches Beispiel für die Stadtrandbebauung in West-Berlin der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Leitbild, nachdem diese und andere vergleichbare Siedlungen gebaut wurden, nennt sich „Urbanität durch Dichte“ (1968-1972). Es folgte dem Drang, aus den teuren Stadtzentren in die bezahlbaren Betonsilos der Stadtränder bei gleichzeitiger guter Verkehrsanbindung zu ziehen. Die günstigeren Mieten und die Nähe zur Natur stehen heute vielen sozialen Problemen gegenüber, u.a. wegen der vielen unterschiedlichen nationalen Gruppierungen. In den rund 60 Hochhäusern mit 8 bis 21 Stockwerken gibt es 4.500 Wohnungen, in denen ca. 6.000 Menschen leben. Die 1968 bis 1974 in der Giesensdorfer Feldmark neu erbaute Siedlung Lichterfelde-Süd ist der so genannten „Zone der geschlossenen Bebauung“ zuzuordnen, obwohl sie in Stadtrandlage erbaut worden ist. Somit treten dort dennoch starke Schadstoffbelastungen und starke Erwärmung auf wie in Innenstadtlagen. Durch die großen Abstände sind trotz der dichten Besiedelung zwischen den Blocks mehr Grünflächenanteile mit großem Gebüschbewuchs am Rand als in der Innenstadt. Weitere Begrünung kann hier durch die positive Beeinflussung des Klimas die Wohnqualität erheblich steigern.

Nach der Besichtigung der Siedlung treffen wir am Ende der Réaumurstraße auf die Osdorfer Straße. Diese biegen wir nach rechts ein und erreichen den Landweg. Jetzt überqueren wir die Osdorfer Straße nach links und erreichen den Lichterfelder Ring, auf dessen rechten Bürgersteig wir bleiben. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite sehen wir als weitere Bauphase in der Giesensdorfer Feldmark eine Ende der 70er Jahre errichtete Wohnsiedlung mit gärtnerisch angelegten Innenbereichen.

Nun kommen wir zu einer weiteren Querstraße, der Schütte-Lanz-Straße. Diese biegen wir nach links ein. Nach zwei Minuten stehen wir am Eingang zum Park mit der 1932 gestalteten Otto-Lilienthal-Gedenkstätte, die sich hinter einem Wasserbecken zu einem 15 m hohen Berg erhebt. Dieser wurde 1894 von Otto Lilienthal (www.lilienthal-museum.de) errichtet, um von dort mit Gleitern Flugversuche zu unternehmen. Auf dem Berg befindet sich eine runde Säulenhalle mit einem Bronzeglobus. Hier bietet sich ein schöner Blick auf Steglitz. Südlich der Gedenkstätte können wir einen Gang um den Karpfenteich machen, der ursprünglich eine Tongrube einer auf dem Areal existierenden Ziegelei war. Nach Verlassen des Parks gehen wir die Schütte-Lanz-Straße südwärts, wobei wir am Nachbarschaftshaus Lilienthal (www.nachbarschaftshaus-lilienthal.de) mit einem Kinder- und Jugendclub vorbeikommen. Jedes Jahr wird von dieser Begegnungsstätte im Park das beliebte Fliegefest (www.fliegefest.steglitz.de) veranstaltet. Am Heim befindet sich ein schön gestalteter Kinderspielplatz. Die Schütte-Lanz-Straße wurde nach den beiden Ingenieuren Johann Schütte und Karl Lanz benannt, die Luftschiffe konstruierten.

Schließlich erreichen wir als gepflasterten Querweg den Jenbacher Weg an der Berliner Stadtgrenze. Diesen Weg biegen wir nach rechts ein und gehen an einem weißen Apartmentblock vorüber. Dann stehen wir am Fuße einer mit Nadel- und Laubbäumen bewachsenen Anhöhe, die ein aus Kriegstrümmern entstandener Rodelberg ist. An dieser Stelle befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Flakgelände. Links vom Berg schlagen wir einen Weg nordwärts ein. Auf der linken Seite sehen wir die nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem Militär- und Flakgelände entstandenen Kleingartenkolonien Am Wäldchen (www.amwaeldchen.de), Osdorf (www.amwaeldchen.de) und Am Rodelberg. Allmählich durchqueren wir einen kleinen Park namens Johann-Baptist-Gradl-Grünanlage (http://www.kulturfuehrer-berlin.de/index.php?hk=11&uk=24&b=16&pid=2254&e=4) und kommen wieder am Lichterfelder Ring an. Wir gehen auf den Landweg zu. Auf der linken Seite dieser Straße erblicken wir alte Baracken, die jetzt gewerblich genutzt werden. Diese Gebäude waren Bestandteil zweier bis zum S-Bahnhof Lichterfelde-Süd heranreichende Arbeits- und Kriegsgefangenenlager aus dem Zweiten Weltkrieg. Dahinter erstreckt sich die Giesensdorfer Feldmark, eine Brachfläche, wo sich Pferdekoppeln befinden und die Amerikaner zur Mauerzeit ein militärisches Übungsgelände, die Geisterstadt Parks Range, auch Doughboy City (www.berlin-brigade.de) genannt, hatten. Danach gelangen wir auf die Réaumurstraße zurück und können wieder in die S-Bahn steigen.

Am Jenbacher Weg bietet sich uns eine Alternative an. Wenn wir diesen und den Asphaltweg des ehemaligen Grenzstreifens überqueren, erreichen wir die alte Gemarkung Osdorf im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Hier befinden wir uns auf den Spuren des bekannten Heimatwanderers Wilhelm Reichner, der in den 20er Jahren entlang der Schütte-Lanz-Straße nach Osdorf wanderte und sich die Rieselfelder (www.natur-land-forum.de) ansah. Wir schauen weiter geradeaus und bemerken rechts von uns einen nach dem Fall der Mauer angepflanzten Jungwald aus Laubbäumen wie Winterlinden und Traubeneichen. Dahinter erhebt sich der Altwald, der einst bis an die Berliner Stadtgrenze heranreichte. Zur Grenzzeit rodete man ihn zur Hälfte, um ein besseres Sicht- und Schussfeld zu haben. Richten wir unseren Blick nach links, so sehen wir ein großes, umzäuntes Viehgelände, dahinter wiederum ein Feld. Beide Flächen gehören zu den Berliner Stadtgütern (www.stadtgueter-berlin.de) und waren einst ein Rieselfeldareal, auf das die Stadt Berlin ihre Abwässer leitete, um somit die Berliner Bevölkerung vor Seuchen und das Stadtgebiet vor Verunreinigungen zu schützen. Nach der Wende konnte man auf diesem einstigen Brachland Turmfalken beobachten. Von Weitem können wir die Hochhäuser von Marienfelde erkennen.

 
Nützliche Hinweise   Thermomethersiedlung

Thermomethersiedlung
Bild: Astrid Hochörtler
    Otto-Lilienthal-Gedenkstätte

Otto-Lilienthal-Gedenkstätte
Bild: Jens Leder
Auch Kinder werden an der Tour Interesse finden. Für Behinderte und Kinderwagen ist die Route durch das ehemalige Osdorf nicht geeignet. Auf dieser Wanderroute befinden sich keine öffentlichen Toiletten. Gaststätten gibt es nur in der Thermometersiedlung. Unser Gang dauert insgesamt anderthalb bis zwei Stunden.   Karpfenteich

Karpfenteich
Bild: Jens Leder
    Nachbarschaftshaus Lilienthal

Nachbarschaftshaus Lilienthal
Bild: Jens Leder
Die Verkehrsanbindung in Richtung Zentrum ist sehr gut, von der S 25 fahren die außer der Buslinie 284 die Linien 180, 186 und 277.   Gefangenenlager Lichterfelde-Süd 1942

Gefangenenlager
Lichterfelde-Süd 1942
Bild: Heimatverein Steglitz
    -fehlt-
Berliner Stadtrand
Bild: Astrid Hochörtler
    Rieselfelder von Osdorf 1955

Rieselfelder von Osdorf 1955
Bild: Kurt Bergder
    Alte Osdorfer Scheune

Alte Osdorfer Scheune
Bild: Jens Leder
    Osdorferstrasse in Richtung Berlin 1964

Osdorferstrasse in Richtung
Berlin 1964
Bild: Kurt Berg
    Die Trümmer von Osdorf

Die Trümmer von Osdorf
Bild: Jens Leder
 
  Jetzt gehen wir unseren Weg geradeaus und kommen nach einer rechts von uns liegenden, eingezäunten Gutswiese an einer Wegegabelung an (1). Dort schlagen wir den oberen Kopfsteinpflasterweg nach rechts ein. Auf unserer Strecke gibt es von Robinien bewachsenen Häuserschutt. Wir bewegen uns von den beiden Dorfstraßen des ehemaligen Osdorf auf der nördlichen, die uns zu einer alten Gutsscheune führt. Die beiden dort ansässigen Gutspächterfamilien nennen ihren Betrieb mit Viehwirtschaft Gut Osdorf (www.gut-osdorf.de). Gehen wir an der großen Scheune vorbei bis fast zur Osdorfer Straße, so bemerken wir einen Granitgedenkstein (www.natur-land-forum.de), der 2003 von ehemaligen Osdorfern eingeweiht wurde. Osdorf (www.natur-land-forum.de), urkundlich im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt, war das erste Stadt- und Rieselgut Berlins und wurde im Jahre 1970 mit Ausnahme der Gutsscheune wegen des Ausbaus des Sperrgebietes an der Grenze zu Berlin-Lichterfelde dem Erdboden gleichgemacht.

Nun kehren wir zur Wegegabelung zurück und können den Weg zurück in Richtung Stadtgrenze nehmen. Wir können aber auch auf dieser Strecke, an der linken Gutswiese vorbei, einen schmalen Weg in den ehemaligen Osdorfer Gutswald einschlagen (2). Nun befinden wir uns auf der alten nördlichen Dorfstraße, die einst über die Rieselfelder nach Teltow und Marienfelde verlief. Auch hier lassen sich noch die von Humus bedeckten Kopfsteinpflaster erkennen. Am Weg ist der alte Straßenbaumbestand aus Linden und Kastanien noch vorhanden. Dahinter befinden sich die bewachsenen Ruinenfelder vom einstigen Osdorf. Kurz hinter einer von uns rechts liegenden, eingezäunten Gutswiese erreichen wir fast am Ende des Weges hohe Kastanien, hinter denen wir die moosbewachsenen Trümmer des Osdorfer Gutshauses sehen. Links von uns können wir hinter Bäumen und Ruinenfeldern die große Scheune vom Gut Osdorf erkennen. Nach einigen Metern erblicken wir links von uns ein Weidetor. Rechts gegenüber können wir einen Weg einschlagen, der zu einem alten Luftschutzkeller führt, aus dem die Umweltinitiative Teltower Platte (www.natur-land-forum.de) vor Jahren ein Fledermausquartier gemacht hat (3). Ferner bringt er uns zum Sandsteingeviert, einer Grabeinfassung, einer Gutsherrenruhestätte. Jedoch kann man diese beiden unter dichtem Gestrüpp liegenden Objekte nur mit scharfem Auge entdecken. Schließlich gehen wir den ganzen Weg bis zum Waldausgang zurück, wobei wir kurz davor wir in nördlicher Richtung einen Abwassergraben aus der Zeit der Rieselfeldwirtschaft verfolgen können. Dieser mündet in einem mittlerweile ausgetrockneten Teich. Entlang der Viehweide begeben wir uns zum asphaltierten Grenzweg, den wir anschließend nach links einbiegen.

Wir bewegen uns wieder im aufgeforsteten Wald, zu dem parallel auf Berliner Seite der Jenbacher Weg verläuft. Die Bezeichnung „Osdorfer Wäldchen“ taucht bereits beim Heimatwanderer Wilhelm Reichner in den 20er Jahren auf. Auf unserem Weg erblicken wir auf linker Seite den Gustav-Krech-Weg, der in den Altwald führt. Der Endpunkt dieses Weges ist ein Rondell, auf dem einst ein behauener Kalkstein zum Gedenken an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Gymnasiasten und Offizier Gustav Krech aus Lichterfelde stand. Wegen Vandalismus wurde der Gustav-Krech-Gedenkstein (www.natur-land-forum.de) Ende 2006 im Vorgarten des Steglitzer Heimatmuseums aufgestellt. Schließlich kommen wir auf einem Parkplatz an der Aufforstungsfläche an, wo es eine Informationstafel der Teltower Platte gibt, und betreten auf einem schmalen Weg entlang der Osdorfer Straße wieder Berlin. Wir laufen die Osdorfer Straße bis zur Ecke Lichterfelder Ring und überqueren sie nach links, um den Landweg zu erreichen. Schließlich gelangen wir wieder zum S-Bahnhof Lichterfelde-Süd.
 
Diese Alternativwanderung im ehemaligen Osdorf dauert eine Stunde. Für Behinderte eignet sie sich leider nicht. Für Kinder allerdings ist eine Wanderung bis zur Gutsscheune interessant. Wenn wir durch den Altwald gehen, ist es ratsam, lange Kleidung zu tragen, weil wir dicht bewachsene Wege mit Brennnesseln vorfinden.   Dorfstrasse von Osdorf 1968

Dorfstrasse von Osdorf 1968
Bild: Kurt Berg
    Ehemalige Dorfstrasse Osdorf

Ehemalige Dorfstrasse Osdorf
Bild: Jens Leder
    Gutshaus von Osdorf 1964

Gutshaus von Osdorf 1964
Bild: Kurt Berg
    Gustav-Krecht-Gedenkstein 1990

Gustav-Krecht-Gedenkstein 1990
Bild: Kurt Berg
    Infotafel der Teltower Platte

Infotafel der Teltower Platte
Bild: Jens Leder
    Grenze Osdorferstrasse 1955

Grenze Osdorferstrasse 1955
Bild: Heimatverein Steglitz
 
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