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Auf den Spuren von Uncle Sam - Die US-Alliierten in Berlin
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Unser Ausflug führt u.a. durch das Parkviertel Dahlem, in dem von 1945 bis 1994 große Teile der US-Alliierten lebten. Nach dem Krieg entstand zwischen Clayallee, Hüttenweg und Argentinischer Allee ein kleiner amerikanischer Mikrokosmos mit Wohnungen, Kino, Kirche und Sportanlagen für US-Soldaten und ihre Familien. Die schmucklosen, hauptsächlich zweckorientierten Häuser legen Zeugnis über Bauweise und -stil der Nachkriegsjahre ab. Die Wege sind breit und gut ausgebaut und daher auch für Rollstuhlfahrer ohne Mühe zu bewältigen. Der Ausflug dauert circa zwei Stunden und verlängert sich je nach Aufenthaltsdauer im Museum oder auf dem Friedhof entsprechend.
  Tourbeschreibung

Die Tour beginnt am Oskar-Helene-Heim. Von hier aus überqueren wir die Argentinische Allee. Auf der rechten Straßenseite, an der Clayallee 170, liegt das ehemalige US-Headquarters, das seit 1994 als amerikanisches Konsulat genutzt wird. 1945 bezogen die US-Alliierten das ehemalige Luftgaukommando in der damaligen Kron-prinzenallee, der heutigen Clayallee. Das Gebäude, 1937 vom Architekten Fritz Fuß errichtet, ist im Krieg nicht beschädigt worden. Am 1. Oktober 1945 wurde dort das „Office of Military Government Berlin District“ (OMGUS) eingerichtet, das an allen wichtigen Entscheidungen über Deutschlands Zukunft maßgeblich beteiligt war. Hier wurde u.a. über die Gründung eines neuen deutschen Staates, eine neue Verfassung und auch die Währungsreform beraten. Von hier aus befehligte der Oberkommandierende der amerikanischen Luftwaffe Lucius D. Clay vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 die „Operation Luftbrücke“. Diese beispiellose, militärisch-logistische Leistung, bei der eine ganze Stadt fast ein ganzes Jahr lang aus der Luft versorgt wurde, ist bis heute unerreicht. Zu Ehren des Generals wurde die Kronprinzenallee am 16. Juni 1949 in „Clayallee“ umbenannt.

Läuft man die Clayallee weiter geradeaus bis zur Ecke „Auf dem Grat“, so sieht man auf der anderen Straßenseite bei der Hausnummer 135 das Alliiertenmuseum (www.alliiertenmuseum.de), das sich auf dem Gelände des ehemaligen Outpost-Kinos befindet. Es wurde 1998, zum 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke, eröffnet und wird von der Bundesrepublik Deutschland und den ehemaligen Westmächten USA, Frankreich und Großbritannien getragen. Die Ausstellung zeigt das Engagement der Alliierten für Berlin und Deutschland von 1945 bis 1994. Neben der politischen und militärischen Geschichte wird auch das Alltagsleben dieser Zeit dargestellt. Die Sammlung umfasst mehrere tausend Objekte, darunter ein Transportflugzeug der „Luftbrücke“, das „Haus am Checkpoint Charlie“ sowie Dokumente, Fotos und Filmmaterialien.

Zwischen Museum und Hüttenweg ist eine Skulptur mit fünf Pferden, die Mauerreste überspringen, zu sehen. Die Plastik der Künstlerin Veryl Goodnight trägt den Titel „Der Tag, an dem die Mauer fiel“ und ist ein Geschenk des amerikanischen Volkes an die Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde 1998 im Beisein von Präsident Bush eingeweiht.

Ein paar Schritte weiter, an der Ecke zum Hüttenweg, steht das Denkmal des preußischen Offiziers Friedrich Wilhelm von Steuben, der den ersten amerikanischen Präsidenten George Washington im Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) unterstützte und so entscheidend zum Sieg der Amerikaner über die Briten beitrug. Das Steuben-Denkmal an diesem speziellen Ort ist zum Symbol deutsch-amerikanischer Verbundenheit geworden. Seit 1957 gibt es die jährliche New Yorker „Steuben-Parade“.

Die sogenannten „Alliiertenwohnungen“ zwischen Clayallee, Hüttenweg und Argentinischer Allee wurden zwischen 1952 und 1956 für die Angehörigen der US-Army errichtet. Als der Bundestag 1999 von Bonn nach Berlin umzog, sollten sie an Bonner Beamte vermietet werden. Die Bundesregierung wollte den Berliner Wohnungsmarkt durch den Umzug nicht belasten, sondern die Wohnungen „mitbringen“. Das führte zu wütenden Protesten der Berliner, bei denen die großzügigen Quartiere in schöner Lage äußerst beliebt waren. Da der Bedarf der „Bonner“ weitaus geringer war als angenommen, wurden die Quartiere in den neunziger Jahren teils neu vermietet, teils in Eigentum umgewandelt. Einige der „alten Mieter“ blieben, mussten jedoch erhebliche Mieterhöhungen in Kauf nehmen. Derzeit wird die Siedlung um 3-geschossige Wohnungen ergänzt, an vorhandene Wohnungen werden große Balkone angebaut. Das Freigelände wird neu gestaltet, die Struktur der Waldsiedlung soll jedoch erhalten bleiben.

Am Anfang des Hüttenwegs, Hausnummer 40, liegt die Quentin Blake Europe School, die 2002 aus der amerikanischen Highschool hervorging. In der internationalen Schule wird besonderer Wert auf sprachliches Profil gelegt. Namensgeber ist der englische Zeichner Quentin Blake, Jahrgang 1932, der als Illustrator zahlreicher Kinderbücher bekannt wurde. Als Cartoonist der Bücher von Roald Dahl ist er auch deutschen Lesern ein Begriff.

Einige Gebäude des Komplexes gehören zur Konrad Biesalski Schule, die nach dem Begründer der modernen Orthopädie (1868-1930) heißt. Er führte als Erster die ganzheitliche Behandlung ein und gilt als Reformer bei der Behandlung körperlich Behinderter. Die Biesalksi-Schule ist heute eine Haupt-, Real- und Lernbehindertenschule, in der motorische und körperliche Entwicklung besonders gefördert werden. Bisalskis Engagement überzeugte das Industriellenpaar Oskar und Helene Pintsch, den Bau eines „Krüppelheims“, dem späteren Oskar-Helene-Heim, zu finanzieren, dessen erster Leiter er wurde. Das heute nicht mehr als solches genutzte Krankenhausgebäude (1) befindet sich ganz in der Nähe des gleichnamigen U-Bahnhofes.
Auf der linken Seite, am Hüttenweg 41-45, steht das „Cole Sports Center“. Die Sporthalle stand früher nur den Amerikanern zur Verfügung, heute gehört sie dem Bezirk Zehlendorf und wird u.a. von der Wilma-Rudolph-Schule genutzt.

Läuft man weiter bis zur Hausnummer 46, erreichen wir die 1957 gebaute United States Army Chapel. Während das Gotteshaus früher ausschließlich von Angehörigen der Army besucht wurde, ist es heute Treffpunkt von Amerikanern, Afrikanern und Deutschen. Protestanten, Baptisten und Katholiken feiern dort ihre Gottesdienste. Beliebt sind die Gospelkonzerte, die auch von vielen Nichtgläubigen besucht werden.

Gegenüber von der Kirche, am Hüttenweg 47, liegt der bekannte Dahlemer Waldfriedhof. Zwischen 1931 und 1933 errichtete der Gartenbaudirektor Albert Brodersen die Anlage, auf dem prominente Berliner wie Gottfried Benn, Walther Schreiber, Harald Juhnke oder Heinz Berggruen ihre letzte Ruhe fanden. Das Gelände wird von zwei zentralen Fichtenalleen durchkreuzt, die Gräber liegen geometrisch angeordnet in langen Heckenreihen. Größere Skulpturen oder aufwändige Verzierungen der Grabstätten findet man hier nicht, dafür jedoch dichten Nadelbaumbestand. Die Schmucklosigkeit war Ziel der Grabmalreformbewegung, die einen sachlicheren Umgang mit dem Tod forderte, was ganz im Sinne der Nationalsozialisten war. Im hinteren Teil des Friedhofes steht eine gelbe Kapelle, die von Heinrich Schweitzer im Stil des expressiven Realismus geschaffen wurde.

Wir gehen durch den Haupteingang bis zur Kapelle, biegen links ab und verlassen den Friedhof am Ausgang „Am Hegewinkel“.

Nach ein paar Schritten stehen wir vor der Wilma-Rudolph-Schule, einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und spezieller Sportförderung. 1964 öffnete dort die ‘Berlin American High School’ für die Kinder der US-Soldaten ihre Pforten. 1994, nach Abzug der Army, entstand daraus die Wilma-Rudolph-Schule. Sie verdankt ihren Namen der berühmten afro-amerikanischen Sprinterin, die mit vier Jahren an Kinderlähmung erkrankt war. Wilma wurde in den „weißen“ Krankenhäusern der Südstaaten nicht versorgt und musste zur Behandlung bis ins 90 Meilen entfernte Nashville gebracht werden. Nach drei Jahren warf sie die Krücken weg und begann ohne Gehhilfe zu laufen. Ihr Aufstieg zur „schnellsten Frau der Welt“ begann. Heute steht Wilma Rudolph in den USA für die Aufhebung der Rassentrennung. Durch die Wahl dieses Namens blieb der Bezug der Schule zu den USA erhalten.

Hiermit endet unsere Tour, die die enge Bindung West-Berlins zu Amerika veranschaulicht.
 
Nützliche Hinweise   U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim

U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim
Foto: JCornelius, CC BY-SA 2.0
    US Headquarters

US Headquarters
Bild: Thonke
Alliiertenmuseum

Alliiertenmuseum
Bild: Kulturring Berlin e.V.
Alliiertenmuseum      www.alliiertenmuseum.de
Clayallee 135      Tel.: 818 81 99-0

U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim,
Busse 285, 623, 115, M11, X10, X110, X83

Öffnungszeiten: täglich von 10-18 Uhr (außer Mittwoch)
Eintritt frei
    Denkmal: Der Tag an dem die Mauer fiel

Denkmal:
“Der Tag an dem die Mauer fiel“
Bild: Saskia Karas
    Steuben-Denkmal Bronze 1987

Steuben-Denkmal Bronze 1987
Bild: Saskia Karas
    Alliiertenwohnungen

Alliiertenwohnungen
Bild: Saskia Karas
    Quentin Blake School

Quentin Blake School
Bild: Saskia Karas
    US Army Chapel

US Army Chapel
Bild: Saskia Karas
    Waldfriedhof Dahlem

Waldfriedhof Dahlem
Bild: Saskia Karas
    Kapelle am Waldfriedhof

Kapelle am Waldfriedhof
Bild:Jens Leder
    Grabmahl Harald Juhnke

Grabmahl Harald Juhnke
Bild: Markus Dietrich
    Wilma-Rudolph-Oberschule

Wilma-Rudolph-Oberschule
Bild: Jens Leder
 
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