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Fest- und Mahnmeile: Japanische Kirschallee
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Die Japanische Kirschallee (www.natur-land-forum.de) verläuft entlang der südlichen Berliner Stadtgrenze vom Ostpreußendamm bis zur Osdorfer Straße, auf einem Teil des 2006 geschaffenen Berliner Mauerweges. Unser Wanderweg erstreckt sich jedoch über die Osdorfer Straße bis in den Osdorfer Jungwald, von wo aus wir nach Lichterfelde gelangen werden. Der Weg ist für Wanderer, Radfahrer und Gehbehinderte geeignet und dauert ca. zwei Stunden.
In Japan sind die Kirschbäume sehr beliebt und werden überall im ganzen Land angepflanzt. Die Kirschblüte ist nicht nur das Zeichen des Frühlingsanfangs, sondern auch der Anfang der Lebensabschnitte, da in Japan Kindergarten, Schule, Hochschulstudium und die Neueinstellung im Betrieb immer Anfang April stattfinden. Während der Blütezeit berichten die Medien täglich, wo sich die Blütenfront befindet und wie hoch die Blütenquote ist. Im Zentrum steht die Betrachtung der Schönheit der Kirschblüte, die „Hanami“ genannt wird. Unter der vollen Kirschblüte treffen sich die Familien, Freunde, Kollegen, breiten ihre Decken aus und veranstalten ein Picknick.
  Tourbeschreibung

Mit dem Bus 117 fahren wir vom S-Bahnhof Lichterfelde-Ost bis zum Ostpreußendamm Ecke Schwelmer Straße, die parallel zum ehemaligen Grenzstreifen am südlichen Berliner Stadtrand verläuft. Hier wurde am 14. November 1989 am Ostpreußendamm, dem sich in Teltow die Lichterfelder Allee anschließt, die Grenze geöffnet. Wir gehen geradeaus in Richtung der angrenzenden Stadt Teltow (www.teltow.org), halten uns links und sehen am Rande des heute grünen Grenzstreifens ein Schild, das an die mehr als 1000 Zierkirschbäume erinnern soll, die in den Jahren 1996 und 1998 auf dem Todesstreifen von den Japanern aus Freude über den Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung gespendet und angepflanzt wurden. Diese Pflanzaktion rief ein privater japanischer Fernsehsender, die TV ASAHI Group, ins Leben. Die Jungbäume wurden aus Japan importiert und akklimatisiert. Die ersten beiden Kirschbäume pflanzte die so genannte Sakura-Campaign (www.stadtentwicklung.berlin.de) bereits am 10. November 1990 wegen der historischen Bedeutung des Ortes an der Glienicker Brücke in Potsdam. Mittlerweile wurden rund 10000 Kirschbäume an Orten wie Grenzstreifen und Parks, Kindertagesstätten und Schulen im Ostteil Berlins angepflanzt.

Wenn wir den alten Asphaltweg des Grenzstreifens beschreiten, erblicken wir links von uns die japanischen Kirschbäume in drei Reihen. Ganz nahe rechter Hand befinden sich hinter Birken und Robinien Teile vom Sperrzaun aus der Mauerzeit. An der Kantstraße, die durch Teltow verläuft, steht rechts von uns eine Informationstafel der Umweltinitiative Teltower Platte (www.natur-land-forum.de), welche die Kirschbaumallee mitpflegt.

Das Japanische Kirschblütenfest (www.natur-land-forum.de) wird seit 2002 immer Ende April bzw. Anfang Mai von Vereinen, Bürgerinitiativen und Gewerbebetrieben aus Lichterfelde und Teltow ausgerichtet. Einer der zwei Standorte des Festes befindet sich bei Teltow-Seehof in Höhe des Holtheimer Weges. Das japanische Kulturprogramm bietet Aikido-Darbietungen, Kalligrafie, Tuschmalerei und einen Chor, der japanische Volkslieder singt. Wie in Japan bringen die Besucher Decken und gut gefüllte Picknickkörbe mit.

Wenn wir die Kantstraße überqueren, begehen wir wieder den alten, brüchigen Asphaltgrenzweg nahe dem alten Sperrzaun. Wenig später betreten wir einen breiteren Weg, der in linker Richtung eine Kurve macht und anschließend wieder geradeaus verläuft: den Berliner Mauerweg (www.gruen-berlin.de/projekte/BerlinerMauerweg.php). Rechts von uns wird der alte Mauerweg von einem Privatgrundstück durchschnitten. Hinter dem darauf stehenden Haus erblicken wir vier Kirschbaumreihen. Unseren Weg gehen wir bis zu einer Linkskurve, die uns auf den alten Zoll- und Kontrollweg aus der Zeit der Teilung Berlins bringt. Nach einigen Metern verläuft der Weg wieder in einer Rechtskurve, in die wir einbiegen, um wieder den alten Grenzstreifen mit drei Kirschbaumreihen zu betreten. Wir bleiben auf dem Mauerweg, den wir geradeaus gehen. Unsere Route verläuft wieder dicht an einem alten Sperrzaun, hinter dem sich der Teltower Ortsteil Sigridshorst befindet. Links von uns erblicken wir am Berliner Stadtrand hinter einer Reihe von Robinien, Birken und Pappeln den alten Zollweg. Er wird von einem Stacheldrahtzaun gesäumt, der ein ehemaliges militärisches Übungsgelände der Amerikaner umschließt, die so genannte Geisterstadt „Parks Range“, auch „Doughboy City“ genannt. Nach dem Fall der Mauer gaben die Amerikaner das Areal, das 1,5 km bis zur Osdorfer Straße reichte, auf. Mittlerweile hat es sich zu einem neuen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Während wir den alten Asphaltweg überqueren, kommen wir auf die Höhe der Kriemhildstraße in Teltow-Sigridshorst. Dort ereignete sich im Jahre 1981 der Fluchtversuch eines Ostberliners namens Hans-Jürgen Starrost (www.chronik-der-mauer.de), der den Folgen eines Bauchschusses erlag. Vorbei an diesem Ort des Schreckens kommen wir an eine Wegegabelung und stehen in Höhe des zweiten Standortes des Kirschblütenfestes. Auf einem gepflasterten Platz können wir Pause machen und den Blick aufs brandenburgische Umland genießen.

Wir stehen jetzt am so genannten Japaneck, das der Endpunkt des japanischen Frühlingsfestes ist. Linker Hand steht ein Granitstein, der 2002 anlässlich des ersten Kirschblütenfestes zur Erinnerung an die Kirschbaumpflanzung eingeweiht wurde. Wenn wir geradeaus schauen, erkennen wir über eine weite, hügelige Anbaufläche, ursprünglich Rieselfeld der Berliner Stadtgüter (www.stadtgueter-berlin.de), Heinersdorf. Links von uns sehen wir den alten Osdorfer Gutswald, rechts Sigridshorst. Am Weg, der in den Teltower Ortsteil führt, steht eine große Tafel mit einer Karte der Radstrecken im Teltowpark (www.teltow-bike.de). Links von diesem Weg geht eine Route über das alte Rieselfeldareal ab. Schauen wir noch einmal in Richtung Osdorfer Wäldchen, so bemerken wir eine Informationstafel der Teltower Platte. Schließlich betreten wir wieder den alten, rissigen Asphaltweg. Nach drei Metern können wir alternativ einen schmalen Weg wählen, der durch die Vegetation rechts vom alten Grenzweg verläuft. Parallel dazu liegt auf Berliner Seite der Zollweg. Auf diesem Streckenabschnitt treffen wir auf buschförmige Kirschbäume. Kurz vor der Osdorfer Straße kommen wir wieder auf den Mauerweg und gelangen ans Ende der Japanischen Kirschallee.

Jetzt gehen wir über die Osdorfer Straße und betreten wieder den ehemaligen Todesstreifen. Wir stehen an einem Parkplatz mit einer weiteren Informationstafel. Dahinter erstreckt sich ein nach dem Mauerfall wieder aufgeforsteter und sich dem hohen Osdorfer Gutswald anschließender Wald aus Winterlinden, Eichen, Robinien und Traubenkirschen. Parallel zu unserem Wanderweg verläuft auf Berliner Seite der Jenbacher Weg, den wir erreichen, indem wir bis zu einem Querweg gehen, den wir nach links abbiegen. Nun stehen wir am Fuße einer mit Nadel- und Laubbäumen bewachsenen Anhöhe, die ein aus Kriegstrümmern entstandener Rodelberg ist. An dieser Stelle befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Flakgelände. Unten am Berg finden wir den Weg zum Lichterfelder Ring. Auf der linken Seite sehen wir die nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem Militärgelände entstandenen Kleingartenkolonien. Über Treppen besteigen wir den Rodelberg und finden auf einer Steinplattform ein im Jahre 1959 eingeweihtes Denkmal, das an den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 erinnert. Von dort oben genießen wir einen schönen Blick auf Berlin und Umgebung. Danach gehen wir die Rodelbahn hinab, um auf den Weg in der Johann-Baptist-Gradl-Grünanlage (www.kulturfuehrer-berlin.de/index.php?hk>11&uk=24&b=16&pid=2254&e=4) zu gelangen. Am Parkausgang befindet sich der Lichterfelder Ring, den wir nach rechts einbiegen. Mit dem Bus 284 können wir nun zum S-Bahnhof Lichterfelde-Ost bzw. S-Bahnhof Lichterfelde-Süd fahren.
 
Nützliche Hinweise   Japanische Kirchblüte

Japanische Kirchblüte
Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
Auf unserer Route können wir an Tischen mit Holzbänken Rast machen.   Kirchblütenfest in Japan

Kirchblütenfest in Japan
Bild: Japan-Photo-Archiv
Man kann vom S-Bahnhof Lichterfelde-Süd direkt diesen Festplatz erreichen. Mehr über das Kirschblütenfest erfahren Sie auf der Webseite (www.natur-land-forum.de) unter „Projekte“: Nr. 4 Alleen/Japanische Kirschallee.   Kirchbaumhain

Kirchbaumhain
Bild: Umweltinitiative Teltower Platte
    Picknick im Grünen

Picknick im Grünen
Bild: Jens Leder
    Kirchbaumallee in Teltow Seehof

Kirchbaumallee in Teltow Seehof
Bild: Jens Leder
    Auf dem Weg ins Japaneck

Auf dem Weg ins Japaneck
Bild: Jens Leder
Der zweite Feststandort befindet sich in Höhe der Kriemhild- und Hagenstraße.   Transparent von Hanami

Transparent von Hanami
Bild: Jens Leder
    Gedenkstein

Gedenkstein
Bild: Jens Leder
    Picknick im Grünen

Picknick im Grünen
Bild: Jens Leder
    Japaneck

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