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Auf den Spuren der Tropen und Subtropen bis zu Pflanzen des Alltags

Der Botanische Garten und seine Gewächshäuser
Tour 11 Karte

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Unser Ausflug führt in drei Stunden durch die verschiedenen Gewächshäuser des Botanischen Gartens. Hier kann man Pflanzenarten und Wälder aus aller Welt bewundern. Kleine Erfrischungen und Snacks für zwischendurch erhalten Sie im Bistro.
  Tourbeschreibung

Wir beginnen unsere Tour am Eingang Königin-Luise-Platz. Von dort aus geht es geradeaus bis zum Gewächshaus P! Das frühere Subtropenhaus ist architektonisch in zwei Teile gegliedert. Im Vorderen befinden sich die Pflanzen des Mittelmeerraumes, im Hinteren wurde schon während der Umbauphase zwischen 1903 und 1908 die Abteilung für Baumfarne gestaltet, die sich auch heute noch dort befindet. Einige der Baumfarne können zwischen 10 und 15 m hoch werden. Die Pflanzen im vorderen Teil sind sehr vielfältig vertreten. Hier sind immergrüne Laubbäume, wie Steineiche, Erdbeerbaum, Lorbeerbaum, Steinlinde und Olivenbaum zu finden. Der Olivenbaum stellt eine der wichtigsten heimischen Nutzpflanzen des Mittelmeerraums dar. Auch Wacholderarten, Zypressen-, sowie Heidekrautgewächse sind zu sehen. Von der Pinie findet man allerdings nur ein junges Exemplar. Als weitere Nutzpflanze ist der Johannisbrotbaum vertreten, dieser wird vor allem als Viehfutter genutzt. Die Zwerg- und die Dattelpalme aus Kreta sind die einzigen in Europa heimischen Palmen. Diesem Teil des Hauses gehören unter anderem aromatisch duftende Gewächse, wie Lavendel, Rosmarin, Korbblütler und die Schmetterlingsblütler an. Den zweiten Schwerpunkt bilden Pflanzen der makaronesischen Florenregion. Das sind die fünf Inselgruppen Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Azoren, Madeira und Ilhas Selvagens. Mittelpunkt einer Gruppe mit Pflanzen der trockeneren Gebiete ist ein großes Exemplar des Drachenbaums. Das legendäre Alter der größten Bäume dieser Art auf den Kanarischen Inseln wird nach neueren Erkenntnissen gewaltig überschätzt und soll etwa 500-600 Jahre betragen. Unser Exemplar ist etwa 65-75 Jahre alt (Stand 1997) und hat erst zweimal geblüht.
Wir verlassen jetzt Haus P und wenden uns dem Hauptkomplex der Gewächshäuser zu. Weiter geht es in Haus G und dann dem Rundgang folgend, bis wir schließlich zum Gebäude B gelangen!
Bei den Bromeliengewächsen fühlt man sich in die Bergwälder Mittel- und Südamerikas versetzt. Diese Pflanzenfamilie umfasst ca. 50 Gattungen mit etwa 3000 verschiedenen Arten. Man findet sie sowohl in Amerika als auch im karibischen Raum. Bromelien kommen vom Tiefland bis in Höhen von über 4000 m wie z.B. in den Anden vor. Die größten Pflanzen benötigen vom Samenkorn bis zur blühenden Pflanze etwa 15–20 Jahre. Ihre Blattrosetten können bis zu 15 l Wasser auffangen.

Zu den Farnpflanzen der Tropen und Subtropen (Haus F) gehören neben den echten Farnen auch Moosfarne, Schachtelhalme und zahlreiche weitere Gewächse. Von zierlichen Pflanzen, die eher im Unterholz zu Hause sind, bis zu sieben Meter hohen Farnen, ist in diesem Gewächshaus alles zu sehen.

Die schwüle Luft im nächsten Gewächshaus E erinnert an den Regenwald. Die charakteristischen Merkmale von Pflanzen der feuchten Tropen werden hier aufgezeigt. Obwohl man Kakteen in den feuchten Tropen kaum erwarten würde, findet man auch diese hier. Schwerpunkt dieses Hauses sind die Orchideen. Sowohl die großblütigen Arten, als auch die kleinblütigen Orchideen mit ihren vielzähligen Blüteständen sind sehr reizvoll. In ihrer Blütezeit werden sie in Vitrinen ausgestellt. Das Spektrum ist breit: teils Pflanzen von nur wenigen Zentimetern Größe, aber auch viele Meter lange Lianen, sind zu finden. Einige der zusätzlich ausgestellten Kannenpflanzen mit ihren eigenartigen, zu Insektenfallen umgebildeten Blättern, fallen sogar außerhalb der Blütezeit auf.

Haus C enthält etwa 250 tropische Nutzpflanzen, die nach Sachgruppen geordnet sind. Dazu zählen Stärke liefernde Pflanzen wie Reis, der legendäre Brotfruchtbaum und Süßkartoffeln, aber auch Obst-, Genussmittel- und Süßstofflieferanten, wie Bananenstauden, Papaya, Ananas, Kokospalme, Kakaobaum, Kaffeestrauch und Zuckerrohr. Als Pflanze sicher weniger bekannt ist der tropische Sapotillbaum aus Zentralamerika. Außer essbaren Früchten liefert er Latex als Grundstoff für Kaugummi und ist so der eigentliche „Kaugummibaum“.

Im Jahre 1787 segelte das britische Schiff „Bounty“ unter dem Kommando von Kapitän William Bligh nach Tahiti, um von dort junge Brotfruchtbäume nach Westindien zu bringen. Ihre Früchte sollten auf den Westindischen Inseln der besseren Ernährung der Plantagenarbeiter dienen. Auf dem Rückweg brach in der Nähe der Tonga-Inseln die berühmte Meuterei aus: Fletcher Christian brachte das Schiff in seine Gewalt und zwang den Kapitän und seine Anhänger die „Bounty“ zu verlassen. Die Brotfruchtbäume wurden über Bord geworfen. Ein Exemplar des Brotfruchtbaumes wächst hier im Botanischen Garten. Auffällig sind die großen, unregelmäßigen Blätter. Das hier ausgestellte, noch junge Exemplar bildet leider keine Früchte. Normalerweise sind diese kopfgroß, werden bis zu 2 kg schwer und enthalten reichlich Stärke.

Die weltweit bedeutendste Pflanze, die Baumwolle, ist ebenfalls hier zu finden und auch solche, die Sisalhanf bzw. Jute oder andere Fasern liefern (Faserbanane, Bogenhanf, Panamapalme). An den Seitenwänden ranken im Sommer Kürbisgewächse mit unterschiedlich nutzbaren Früchten, die zum Teil auch im Winter noch zu sehen sind. Dazu gehören der in Ostasien als Gemüse genutzte Wachskürbis, die als Badeschwamm verwendete Schwammgurke und der Flaschenkürbis, dessen hartschalige Früchte als Gefäße oder halbiert z.B. als Schöpflöffel verwendet werden.

Von den Gewürzpflanzen seien hier Vanille, Chilipfeffer, Schwarzer Pfeffer, Zimt und Ingwer erwähnt, von den Färbepflanzen der rote Orleansstrauch und von den Ölpflanzen die Ölpalme.

Neben Wildformen der Begonien werden auch einige Kultursorten gezeigt (Haus B). Begonien sind weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet. Sie werden wegen ihrer asymmetrischen Blätterform oft auch Schiefblatt genannt. Im Botanischen Garten Berlin werden von 800 bekannten Wildarten und zahlreichen Kultursorten etwa 100 Arten und Sorten vorgestellt. Außer diesen enthält das Haus noch viele andere Tropenpflanzen, die zum Teil auch als Zimmerpflanzen bekannt sind. In Wechselausstellungen werden, je nach Jahreszeit, blühende Pflanzen gezeigt. Einige Palmen und Cycasgewächse machen hier (aus Platzgründen) Zwischenstation auf dem Weg von den Anzuchthäusern ins große Tropenhaus.

Wir verlassen nun den Komplex, um noch ein bisschen frische Luft zu schnappen, bevor es zum Viktoria-Haus (Gewächshaus O) der tropischen Sumpfpflanzen geht. In diesem wird unter anderem ein Mangroven-Bestand gezeigt. Mangroven ist sowohl die Bezeichnung für Sumpfwälder tropischer Küsten als auch der Name für die dort vorkommenden Baumarten! Auf den Wasserflächen der Sumpfbecken schwimmen verschiedene Wasserpflanzen, wie beispielsweise der Wassersalat. Die aus dem tropischen Amerika stammende Wasserhyazinthe bildet ebenfalls frei schwimmende Teppiche. Im Sommerhalbjahr wuchern hier Schlingpflanzen bis unter das Glasdach!

Einer der Hauptanziehungspunkte des Gartens sind im Sommerhalbjahr die Riesenseerosen der Gattung Victoria und weitere Seerosengewächse aus Australien, Neuguinea und Ostasien. Ein Wasserbecken mit ein oder zwei Exemplaren der berühmten, nach der Königin Victoria von England benannten, Amazonas-Riesenseerosen, gehört zum Stolz jedes größeren Botanischen Gartens. Etwa fünf Monate dauert die Entwicklung vom Samenkorn bis zur ausgewachsenen Pflanze, die bei uns bis zwei Meter Durchmesser erreichen. Ein Videofilm über die Entwicklung der Dahlemer Victoria ist im Schaumuseum zu sehen.

Die Wasserpflanzenbecken in den beiden Gängen und im Brunnensaal des Eingangsbereichs unter dem Victoriahaus fallen dem Besucher schon beim Betreten der Anlagen auf und ergänzen das Sumpf- und Wasserpflanzenhaus.
Unser gemeinsamer Rundgang ist nun beendet. Wer möchte, kann sich aber gerne noch weiter umsehen oder auch einen zweiten Spaziergang durch die noch nicht besichtigten Gewächshäuser des Gartens machen, denn „Hier werden Forschergeister erweckt“. Auf Wiedersehen!
 
Nützliche Hinweise

Die Gewächshäuser sind für Rollstuhlfahrer teilweise befahrbar

Eingang: Königin-Luise-Platz

Eintrittspreise:
Erwachsene 5,00 €
Ermäßigt 2,50 €
Familienkarte (2 Erwachsene und Kinder unter 14 Jahren) 10,00 €

Öffnungszeiten:
täglich außer Heiligabend
Nov., Dez., Jan. 9-16 Uhr
Feb. 9-17 Uhr
Mär., Okt. 9-18 Uhr
Sep. 9-19 Uhr
Apr., Aug. 9-20 Uhr
Mai, Jun., Jul. 9-21 Uhr

Verkehrsanbindung:
101, X83

Das Bistro hat täglich ab 11 Uhr geöffnet! Es befindet sich innerhalb des Gewächshäuserkomplexes.

2 behindertengerechte Toiletten befinden sich sowohl am Duft- und Tastgarten, als auch (während Veranstaltungen) im Neuen Glashaus. Schlüssel sind an den Kassen erhältlich.
   Subtropenhaus

Subtropenhaus
Bild: Axel Mauruszat

 Erdbeerbaum

Erdbeerbaum
Bild: Siebrand

 Dattelpalme

Dattelpalme
Bild: Stan Shebs

 Baumfarne

Baumfarne
Bild: Baldhur, CC BY-SA 2.0

 Bromelie

Bromelie
Bild: Andreas G., CC BY-SA 2.0
     Bounty

Bounty
Bild: 4tilden
     Brotfruchtbaum

Brotfruchtbaum
Bild: Daphne, CC BY-SA 2.0
     Orchidee

Orchidee
Bild: Pixeltoo, CC BY-SA 2.0
     Kakaobaum

Kakaobaum
Bild: Rhaessner, CC BY-SA 2.0
     Kokospalme

Kokospalme
Bild: Marcin Klapczynski, CC BY-SA 2.0
     Sapotillbaum

Sapotillbaum
Bild: Taraqui
 
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