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Hier werden Forschergeister geweckt

Ein Spaziergang durch die Gewächshäuser des Botanischen Gartens
Tour 13 Karte

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Dieser Ausflug führt uns in ungefähr drei Stunden durch einen Teil der wundervollen Gewächshäuser des Botanischen Gartens Berlin. Man gewinnt einen Eindruck über die verschiedenen Pflanzen unserer Erde. Wer am Ende noch Lust hat, kann auch gerne die anderen Häuser besichtigen (von uns wird eine weitere Gewächshaustour angeboten). Die Wege und Gebäude sind teilweise für Rollstuhlfahrer geeignet. Der kleine Hunger zwischendurch kann im Bistro gestillt werden.
  Tourbeschreibung

Unsere Tour startet am Eingang Königin-Luise-Platz. Von dort aus gehen wir den Weg geradeaus bis zu den Gewächshäusern. Wir betreten das Haus H, um von hier bis zum Gebäude A zu schlendern. Innerhalb der Häuser sind keine genaueren Wege vorgegeben. Wenn Sie sich an die Rundgänge innerhalb der Häuser halten, entdecken Sie alle hier beschriebenen Pflanzen.

In Haus H gelangen wir zunächst zu den saftspeichernden (sukkulenten) Pflanzen der sogenannten Alten Welt. Den größten Raum nehmen die so genannten Sukkulenten aus Afrika ein, aber auch Pflanzen aus Madagaskar und von den Kanarischen Inseln sind schön anzusehen. Obwohl es so scheint, besteht die hier zu sehende Landschaft nicht aus Kakteen, sondern aus Gewächsen anderer Familien.

Im Haus der Kakteen und anderer sukkulenter Pflanzen Amerikas (Haus I) findet man auch Landschaften dieser sogenannten Neuen Welt. Wir sehen Kakteen, Agaven, Schopfbäume sowie einige Dickblattgewächse. Sie sind teils nach geographischen Gruppen (Mexiko, Anden, südöstliches Südamerika) und teils nach Themengruppen geordnet. Besonders sehenswert ist ein 100 Jahre alter Goldkugelkaktus. Diese Art wurde erst 1885 in Mexiko vom Berliner Kakteenhändler und -kenner Hildmann entdeckt, eingeführt und beschrieben. Sie ist also gewissermaßen eine „Berliner Pflanze“. Der wichtigste Nutzkaktus ist der Feigenkaktus, der nicht nur in seiner mexikanischen Heimat, sondern zum Beispiel auch auf Sizilien angebaut wird. In vielen Ländern dient er als Heckenpflanze und Notfutter für das Vieh. Andere nutzbare Sukkulenten sind Agaven, die Agavenwein oder -schnaps (Tequila) liefern.

Das zu Südafrika gehörende Kapland (Gewächshaus K) zählt zu den artenreichsten Gebieten der Welt. In der so genannten florengeographischen Gliederung der Erde stellt es ein eigenes Pflanzenreich dar. Die Böden sind vorwiegend nährstoffarm, sauer und sandig. Im hinteren Teil des Hauses hat sich ein dichtes Gebüsch entwickelt; auch hier sind Elemente der Wälder und Buschformationen des südöstlichen Kaplandes zu sehen. Zur natürlichen Vegetation dieser Region gehören Baumhöhen bis etwa 10 m.

Ein Teil des nächsten Gebäudes L ist den Pflanzen der Südhalbkugel unserer Erde gewidmet, der andere den insektenfangenden Pflanzen, die auch Insektivoren genannt werden. Im Gegensatz zu den großen Landmassen der nördlichen Halbkugel (Eurasien, Nordamerika) sind die gemäßigten bis subtropischen Gebiete auf der südlichen Halbkugel kleiner und durch die Ozeane weit voneinander getrennt (Australien/Neuseeland, südliches Afrika, südliches Südamerika). Hier haben sich im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung eigenständige, besonders in Australien und im südlichen Afrika sehr reichhaltige, Pflanzen entwickelt. Im Haus ausgestellt ist ein Exemplar eines Grasbaumgewächses, das gerade erst langsam zur Stammbildung übergeht, aber schon regelmäßig blüht. In Südamerika sind viele Gattungen der subantarktischen Wälder verbreitet. Die Winterrinde zum Beispiel ist ein kleiner Baum, dessen Name an eine der frühen Weltumsegelungen erinnert. 1578 nutzte Kapitän William Winter die Rinde dieses Baumes mit Erfolg gegen Skorbut (Vitaminmangel) der Matrosen.

Charles Darwin war einer der ersten Wissenschaftler, der herausgefunden hat, dass einige Pflanzen die Fähigkeit haben, kleine Tiere zu fangen, deren weiche Körpersubstanzen aufzulösen und die so gewonnenen Nährstoffe aufzunehmen. Wir nennen sie „fleischfressende Pflanzen“. Bei Landpflanzen sind es meist Insekten, bei Wasserpflanzen Kleinkrebse oder andere Kleinlebewesen, die als Beute in Frage kommen. Tierfangende Pflanzen gibt es in verschiedenen Familien. Sie unterscheiden sich in der Art des Fangmechanismus. Die Beute wird beispielsweise durch Honigduft und glitzernde Schleimtröpfchen angelockt, bleibt an Tentakeln kleben und wird durch deren Einkrümmungsbewegung den Verdauungsdrüsen angenähert. Mit Hilfe von Enzymen wird die Beute schließlich verdaut.

Im daran anschließenden Teil des Komplexes finden wir Pflanzen aus Australien und Neuseeland. In diesem Gewächshaus kann man den Karaka–Baum aus Neuseeland bewundern. Er zeichnet sich durch seine gummibaumartigen, dunkelgrünen Blätter aus. Zu der großen Gattung Eukalyptus gehören Bäume, die in der Natur mit bis zu 114 m Höhe zu den höchsten Bäumen der Welt zählen. Bekanntester Vertreter ist der Blau-Gummibaum, aus dessen Blättern durch Destillation Eukalyptus-Öl gewonnen wird. Weitere markante Pflanzengestalten sind die Schopfbäume aus der Familie der Agavengewächse. Ein wiederum anderes Exemplar, die großen Rosettenpflanzen der Speerblume benötigen bei uns von der Aussaat bis zur Blüte 10-20 Jahre. 1997 kam eine Pflanze in das Botanische Museum Berlin, ihre großen roten Blüten sind sehr nektarreich. Die derben, bis drei Meter langen, schwertförmigen Blätter des Neuseeländischen Flachses enthalten feste Bastfasern, die wie Jute auch für handgeschöpftes Papier verwendet werden. Auch in dieser Pflanzenfamilie gibt es 5 Gattungen mit über 30 verschiedenen Arten.

Von Januar bis April ist Haus N dank seines sehr alten Bestandes von Kamelienarten ein großer Anziehungspunkt. Sie entfalten zu dieser Jahreszeit ihre volle Blütenpracht. Zur gleichen Gattung gehört übrigens auch der Teestrauch, eine wichtige Nutzpflanze, deren getrocknete und zerkleinerte Blätter als Schwarztee Verwendung finden.

Als letztes gehen wir in das wohl bemerkenswerteste Gebäude. Das große Tropenhaus ist das Wahrzeichen des Botanischen Gartens Berlin. Es stellt einen, für die damalige Zeit sehr modernen, frei stehenden Hallenbau aus den Jahren 1906/1907 dar. Das Gewächshaus wurde 1968 neu mit Acryl verglast, hat eine Grundfläche von 60 x 30 Metern und eine lichte Höhe von 23 Metern. Es gehört damit zu den größten Gewächshäusern der Welt. Zur naturgetreuen Darstellung eines Tropenwaldes ist aber selbst dieses Gebäude noch viel zu klein. Auch die Bepflanzung des Großen Tropenhauses ist geographisch gegliedert. Die rechte Hälfte enthält Pflanzen der altweltlichen Tropen (Afrika, Asien, Australien), die Linke ist ganz der „Neuen“ Pflanzenwelt der amerikanischen Tropen gewidmet.

Eine der stattlichsten hier ausgestellten Pflanzen ist nicht ein Baum im eigentlichen Sinne, sondern ein Vertreter der Familie der Gräser. Die südostasiatische Bambus-Art, ist ein riesiges Gras, dessen Halme hier 15 cm Durchmesser und gut 26 Meter Höhe erreichen. Ein Tropenbaum mit großen Blättern, auch Katappabaum genannt, ragt ebenfalls bis unter das Dach. Auch Lianen wachsen immer wieder bis in die Kuppel hinauf. Am eindrucksvollsten ist ein Kürbisgewächs mit seinen lang herunterhängenden, beblätterten Trieben. Von den zahlreich vorhandenen Arten der Feigenbäume zeigt einer von ihnen die Bildung von Luftwurzeln besonders eindrucksvoll. Eine kleinblättrige Feigenbaum-Art ist die Birkenfeige, die wir wohl alle kennen, weil sie bei uns als Zimmerpflanze sehr beliebt ist. Der Leberwurstbaum, zeigt gelegentlich hoch oben seine braunroten, in der Natur von Blumenfledermäusen bestäubten, Blüten. Die wie große Leberwürste herabhängenden Früchte entwickeln sich bei uns mangels Fremdbestäubung der Blüten nicht. Das große Exemplar des Schraubenbaums aus Madagaskar zeigt sich besonders schön. Auch großblättrige Bananengewächse sind typisch tropische Pflanzen. Urzeitliche Pflanzenformen sind die zur Gruppe der Nacktsamer gehörenden Palmfarne. Unsere ältesten Exemplare waren schon im alten Botanischen Garten in Schöneberg vorhanden und sind über 150 Jahre alt. Die Zapfenblüten eines anderen Palmfarms werden bis 70 cm lang und sind damit die größten Blüten im Pflanzenreich. Zu den größeren Baumarten im Haus gehören zwei Wolfsmilchgewächse, Remys Lackbaum und der Sandbüchsenbaum. Dies ist nur eine kleine Auswahl von Pflanzen, die hier im Großen Tropenhaus zu sehen sind!

Nach diesem beeindruckenden Gebäude endet der Ausflug hier. Wer möchte, kann sich aber gerne noch weiter umsehen. Zum Beispiel entlang unserer Tour „Der Botanische Garten und seine Gewächshäuser - Auf den Spuren der Tropen und Subtropen bis zu Pflanzen des Alltags“. Viel Vergnügen!
 
Nützliche Hinweise

Die Gewächshäuser sind für Rollstuhlfahrer teilweise befahrbar

Eingang:
Königin-Luise-Platz

Eintrittspreise:
Erwachsene 5,00 €
Ermäßigt 2,50 €
Familienkarte (2 Erwachsene und Kinder unter 14 Jahren) 10,00 €

Öffnungszeiten:
täglich außer Heiligabend
Nov., Dez., Jan. 9-16 Uhr
Feb. 9-17 Uhr
Mär., Okt. 9-18 Uhr
Sep. 9-19 Uhr
Apr., Aug. 9-20 Uhr
Mai, Jun., Jul. 9-21 Uhr

Verkehrsanbindung:
101, X83

2 behindertengerechte Toiletten befinden sich sowohl am Duft- und Tastgarten, als auch (während Veranstaltungen) im Neuen Glashaus. Schlüssel sind an den Kassen erhältlich.

Das Tropenhaus befindet sich zur Zeit bis ca. Mitte 2009 im Umbau.
Wer Lust hat, kann gerne an einer Baustellenführung der etwas anderen Art teilnehmen.
Nähere Informationen finden sie unter www.botanischer-garten-berlin.de

Das Bistro hat täglich ab 11 Uhr geöffnet.
Es befindet sich innerhalb des Gewächshäuserkomplexes.
   Goldkugelkaktus

Goldkugelkaktus
Bild: Aka, CC BY-SA 2.5

 Goldkugelkaktus

Kakteen in Haus I
Bild: Flo, CC BY-SA 2.5

 Alter Plan des Botanischen Gartens

Alter Plan des Botanischen Gartens
Bild: Axel.Mauruszat

 Teestrauch

Teestrauch
Bild: Shizhao

 Haus M

Haus M
Bild: Axel.Mauruszat

 Riesenseerosen

Riesenseerosen
Bild: Jcornelius, CC BY-SA 3.0

 Zeichnung eines Karaka-Baums

Zeichnung eines Karaka-Baums
Bild: Kahuroa

 Gewächshauserkomplex 1909

Gewächshauserkomplex 1909
Bild: Axel.Mauruszat

 Tropenhaus

Tropenhaus
Bild: Axel.Mauruszat

 Bau des Tropenhauses 1906

Bau des Tropenhauses 1906
Bild: Axel.Mauruszat

 Frucht des Leberwurstbaums

Frucht des Leberwurstbaums
Bild: Theseus, CC BY-SA 3.0

 Schraubenbaum

Schraubenbaum
Bild: Lukas Skywalker

 Bananengewächs

Bananengewächs
Bild: Kurt Stüber, CC BY-SA 3.0
 
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