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Sehenswerte Gotteshäuser und andere Bauten in Zehlendorf
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Diese Tour hat Kirchen und andere Bauten in Zehlendorf zum Gegenstand, wobei wir etwas über ihre Besonderheiten erfahren werden. Unsere Route verläuft von Dahlem-Dorf bis nach Alt-Zehlendorf.
  Tourbeschreibung

Der Startpunkt unserer Tour ist der U-Bahnhof Dahlem-Dorf, wo wir links die Königin-Luise-Straße entlanggehen. Wir überqueren die Pacelliallee und erreichen die evangelische St. Annen-Kirche (www.kulturfuehrer-berlin.de/index.php?hk=11&uk=45&b=7&pid=2056&e=4) in der Königin-Luise-Straße 55. Diese gotische Dorfkirche aus rotem Backstein zählt zu den ältesten Gotteshäusern Berlins. Das Kirchenschiff stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der angefügte Chor aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Innern des Sakralbaus sind noch Überreste spätgotischer Malereien vorhanden, von denen eine die Annen-Legende darstellt. In der Kirche befindet sich die Ruhestätte von Cuno Hans von Wilmersdorf (1638-1720), einem Dahlemer Gutsherren und dem ersten Teltower Landrat. Auf dem Kirchhof erblicken wir die Grabstätte vom Studentenführer Rudi Dutschke (1940-1979). Wir gehen die Königin-Luise-Straße zurück bis zum U-Bahnhof und biegen nach rechts in die Brümmerstraße, dann nach links in die Fabeckstraße, wo in der Hausnummer 13 der Pädagoge und Professor Eduard Spranger (1882-1963) lebte. Das Gebäude, an dem eine Gedenktafel angebracht ist, beherbergt heute den Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Jetzt drehen wir wieder um und begeben uns zur Lansstraße, die wir nach rechts hineingehen. Vorbei am Zentrum für Nordamerikastudien der Freien Universität kommen wir wieder zur Königin-Luise-Straße. Wir überqueren sie und erreichen die katholische St. Bernhard-Kirche, einen roten Backsteinbau mit kupfernem Dach. Sie wurde von 1932 bis 1934 von dem von der strengen Sachlichkeit beeinflussten Architekten Wilhelm Fahlbusch errichtet. Der Glockenturm wird von einer Skulptur des Heiligen Bernhard geschmückt. Wir kehren wieder um und biegen nach rechts in die Straße Im Winkel ein. Nach einigen Metern stehen wir in der Hausnummer 37 vor einem weiteren Gebäude von Fahlbusch, einem zweistöckigem Wohnhaus aus rotem Backstein mit einem Satteldach aus den Jahren 1927/28. Jetzt kehren wir zur Königin-Luise-Straße zurück, um zum U-Bahnhof Dahlem-Dorf zu gelangen und von dort bis zur Station Thielplatz zu fahren.

Den Bahnhof Thielplatz verlassen wir durch den Ausgang nach rechts und kommen auf die Brümmerstraße. Nach einigen Metern schlagen wir unseren Weg nach links in die Faradaystraße ein. In der Hausnummer 10 lebte Richard Willstätter (1872-1942), ein Biochemiker, der insbesondere das Blattpigment Chlorophyll erforschte. Gegenüber steht in der Hittorfstraße die Jesus-Christus-Kirche (www.kg-dahlem.de), ein roter Klinkerbau aus dem Jahre 1931. Im Kirchenschiff herrscht eine gute Akustik. Während des Dritten Reiches predigte dort u. a. Martin Niemöller (1892-1984), Vertreter der Bekennenden Kirche. Als Gegner des Naziregimes wurde er 1937 verhaftet, kam in das Konzentrationslager Sachsenhausen und später in das KZ Dachau, aus dem ihn 1945 amerikanische Truppen befreiten. Jetzt durchqueren wir die Hittorfstraße nach rechts und kommen auf die Van’t-Hoff-Straße zu, in die wir rechts einbiegen. Nach links gehen wir in die Boltzmannstraße. An der Ecke Garystraße sehen wir das vor kurzem sanierte Hauptgebäude der Freien Universität, den Henry-Ford-Bau mit dem Auditorium Maximum, einem sehr großen Vortrags- und Veranstaltungssaal, und der Universitätsbibliothek. Er wurde von 1952 bis 1954 von den Architekten Hans-Heinrich Sobotka und Gustav Müller aus Mitteln der Ford-Stiftung erbaut. Gut erkennbar ist seine Gestaltung mit großen Glasflächen. Ihm gegenüber steht das 1929/30 entstandene Otto-Warburg-Haus, das früher das Institut für Zellphysiologie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft war und heute das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft (www.mpg.de) ist. Wir durchqueren die Garystraße bis zur Ecke Ihnestraße. Nachdem wir in diese nach rechts eingebogen sind, begeben wir uns zurück zum U-Bahnhof Thielplatz. In der Ihnestraße 16-20 sehen wir das vom Architekten Carl Sattler in den Jahren 1926 bis 1929 errichtete Harnack-Haus (www.harnackhaus-berlin.mpg.de), das nach dem Theologen Adolf von Harnack benannt ist. In dieser Stätte des internationalen wissenschaftlichen Austausches trafen sich vor 1933 Wissenschaftler wie Albert Einstein und Lise Meitner. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Haus der amerikanischen Besatzungsmacht als Ort für Feste und Kulturveranstaltungen. Heute nutzt es die Max-Planck-Gesellschaft wieder für den internationalen wissenschaftlichen Dialog.

Vom U-Bahnhof Thielplatz fahren wir bis zum U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte und betreten die Onkel-Tom-Straße. Wir halten uns linker Hand und erreichen die nach Plänen von Diez Brandi in den Jahren 1934/35 erbaute evangelische Ernst-Moritz-Arndt-Kirche in der Hausnummer 80. Sie ist eine einfache Saalkirche mit Backsteinflächen und hohen Fenstern. Auf dem viereckigen Glockenturm befindet sich eine kuppelartige Laterne. Im Innern ist die Holzdecke bemalt und eine Zentralheizung aus der Bauzeit der Kirche eingebaut. Danach biegen wir nach rechts in die Wilskistraße ein und gehen diese bis zum Ende. Hier führt unser Weg vorbei an den Siedlungsbauten des Bruno Taut (1880-1938). Er war Architekt des „Neuen Bauens“ und Mitglied des Deutschen Werkbundes. In Berlin wurden insgesamt ca. 12 000 Häuser und Wohnungen nach seinen Plänen errichtet, von denen die Hufeisensiedlung in Britz und die Onkel-Tom Siedlung die bekanntesten sind. Seinen Schwerpunkt legte Taut auf die gesellschaftliche Seite der Architektur. Die Grundrisse wurden typisiert. Praktische Details zeigen sich z.B. in der Bauweise der Fenster, die das Lüften vereinfacht. Neu war auch die kräftige Farbgestaltung seiner Entwürfe, die unter anderem auch den Sonnenstand berücksichtigt. In der Onkel-Tom-Siedlung wurde der vorhandene Baumbestand in die Planung mit einbezogen.

Nun schlagen wir unseren Weg nach links in die Straße Am Fischtal ein. Die dortige Siedlung aus Familienreihenhäusern entstand zwischen 1928 und 1929 unter der Leitung des Architekten Heinrich Tessenow. Es sind individuell gestaltete Hausgruppen mit Satteldächern aus Ziegelsteinen, Klappläden und Holzpergolen. In der Hausnummer 8 wohnte der Gräberkommissar und Widerstandskämpfer Ernst von Harnack (1888-1945). Jetzt gehen wir auf die Riemeisterstraße als nächste Querstraße zu und fahren mit dem Bus 118 Richtung Rathaus Zehlendorf bis zur Haltestelle Scharfestraße. Wenn wir aussteigen und nach rechts gehen, sehen wir in der Schmarjestraße 2 die von 1906 bis 1908 errichtete katholische Herz-Jesu-Kirche. Der Architekt war Christoph Hehl, der in Berlin viele Kirchen im neoromanischen Stil baute. In der Riemeisterstraße 10-12 befindet sich die 1973 errichtete Evangelisch-Lutherische Kirche St. Marien (www.lutherisch.de). Der rundliche, rote Backsteinbau mit Seiteneingang wirkt auf den Betrachter wie ein Burgwall. Wir drehen wieder um in Richtung Schmarjestraße, in die wir rechts einbiegen um auf die Onkel-Tom-Straße zu gehen. Wir erreichen den 1872 eröffneten Friedhof Zehlendorf. Dort können wir die Gräber des Schauspielers Heinrich George (1893-1946; Feld 13, Berliner Ehrengrab), des Theologen Karl Friedrich Zimmer (1855-1919; Feld 2), dem Begründer des Evangelischen Diakonievereins (www.ev-diakonieverein.de) in Zehlendorf und des jüdischen Unternehmers und Direktors einer Erzhandelsfirma, Paul Grünfeld (1879-1937; Abt. 15W, Feld 006-448) besichtigen, der kurz vor seiner Emigration starb.

Nun verlassen wir den Friedhof und passieren die Onkel-Tom-Straße in rechter Richtung. Anschließend biegen wir links in die Potsdamer Chaussee ein. Schließlich befinden wir uns im alten Zehlendorfer Dorfkern. Bald erblicken wir hinter Feldsteinmauern die achteckige evangelische Dorfkirche (www.kulturfuehrer-berlin.de/index.php?hk=4&uk=38&b=7&pid=2074&e=4) aus dem Jahre 1768. Sie wurde auf Anordnung Friedrichs des Großen gebaut, da der Vorgängerbau im Siebenjährigen Krieg zerstört worden war. Die Altarflügel im Kirchensaal stammen aus dem 15. Jahrhundert, die Bronzeglocke aus dem Jahre 1270. Rechts daneben steht hinter der 1871 gepflanzten Zehlendorfer Eiche das Heimatmuseum Zehlendorf (www.heimatmuseum-zehlendorf.de), das in einem alten Schulhaus von 1828 untergebracht ist. Jetzt überqueren wir die Berliner Straße, die sich der Potsdamer Chaussee anschließt. Wir betreten den Teltower Damm und gehen dabei an einer links von uns liegenden Grünanlage vorbei. In der Hausnummer 4 wohnte und wirkte von 1932 bis 1953 die Krankenschwester Marga Meusel (1897-1953). Sie war Leiterin des Evangelischen Bezirkswohlfahrtsamtes der Inneren Mission in Berlin-Zehlendorf und setzte sich im Dritten Reich als Anhängerin der Bekennenden Kirche für die verfolgten getauften Juden ein. Am Haus, in dem heute eine Geschäftsstelle der Barmer Ersatzkasse sitzt, erinnert eine Gedenktafel an sie. Wir gehen unseren Weg bis zur Ecke Kirchstraße. Diese biegen wir rechts ein und gelangen zur von Hubert Stier in den Jahren 1903 bis 1905 erbauten Pauluskirche (www.paulusgemeinde-zehlendorf.de). Dieser Bau in märkischer Backsteingotik entlastete die Dorfkirche, die die wachsende Mitgliederzahl der Gemeinde nicht mehr verkraften konnte.

Mit diesem Sakralbau ist unsere Tour beendet und wir gehen zurück zum Teltower Damm, um am S-Bahnhof Zehlendorf unsere Heimreise anzutreten.
 
Nützliche Hinweise

Unsere Wanderung dauert drei Stunden und ist für Spaziergänger, Radfahrer und Gehbehinderte geeignet.

Die St. Bernhard-Kirche ist täglich geöffnet

Die Geschäfte im U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte bieten Verpflegungs-möglichkeiten.
   St. Annen-Kirche

St. Annen-Kirche
Bild: Jens Leder

 Grab von Rudi Dutschke

Grab von Rudi Dutschke
Bild: Jens Leder

 St. Bernhard-Kirche

St. Bernhard-Kirche
Bild: Heike Behrendt

 Wohnhaus Im Winkel

Wohnhaus Im Winkel
Bild: Jens Leder

 Jesus-Christus-Kirche

Jesus-Christus-Kirche
Bild: Heike Behrendt

 Henry-Ford-Bau

Henry-Ford-Bau
Bild: Heike Behrendt

 Harnack-Haus

Harnack-Haus
Bild: Jens Leder

 Ernst-Moritz-Arndt-Kirche

Ernst-Moritz-Arndt-Kirche
Bild: Jens Leder

 Altar Herz-Jesu-Kirche

Altar Herz-Jesu-Kirche
Bild: Heike Behrendt

 Grab von Heinrich George

Grab von Heinrich George
Bild: Jens Leder

 Dorfkirche Zehlendorf

Dorfkirche Zehlendorf
Bild: Jens Leder

 Heimatmuseum Zehlendorf

Heimatmuseum Zehlendorf
Bild: Jens Leder

 Pauluskirche

Pauluskirche
Bild: Jens Leder
 
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